Häufig gestellte Fragen:

  • Was ist Psychotherapie?

 

„Psychotherapie bedeutet wörtlich übersetzt Behandlung der Seele beziehungsweise  von seelischen Problemen. Sie bietet Hilfe bei Störungen des Denkens, Fühlens, Erlebens und Handelns. Dazu zählen psychische Störungen wie Ängste, Depressionen, Eßstörungen, Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen, Süchte und Zwänge.

Darüber hinaus wird Psychotherapie bei psychosomatischen Störungen angewandt. Der Begriff Psychosomatik bringt zum Ausdruck, dass die Psyche (Seele) einen schädigenden Einfluß auf das Soma (Körper) hat.

Immer mehr werden psychologische Behandlungsmethoden – begleitend zu medizinischen Maßnahmen - bei organischen Störungen eingesetzt (z.B. bei chronischen Erkrankungen, bei starken Schmerzzuständen, bei neurologischen Störungen, bei Herz- Kreislauferkrankungen).“

(Zitiert aus dem Faltblatt „Ein Wegweiser zur Psychotherapie“  des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP), 6. Auflage 2000.)

Immer bedeutsamer wird Psychotherapie im Rahmen der Behandlung Posttraumatischer Belastungsstörungen, für die in den letzten ca. 20 Jahren spezielle Behandlungsmanuale entwickelt wurden.

 

  • Wer führt Psychotherapie durch?

 

Von den Krankenkassen finanzierte Psychotherapie wird von Psychologischen Psychotherapeuten und ärztlichen Psychotherapeuten mit Kassenzulassung durchgeführt.  Eine Liste dieser Therapeutinnen und Therapeuten finden Sie auf der Homepage der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung KV. Auch Ihre Krankenkasse hilft Ihnen weiter. Privatversicherte können in der Regel approbierte Psychotherapeuten aufsuchen. Sie sollten sich in jedem Fall zunächst Ihren Vertrag genau anschauen bzw. bei Ihrem Versicherer nachfragen unter welchen Bedingungen Ihre Psychotherapie finanziert wird.

 

  • Unter welchen Voraussetzungen wird Psychotherapie von Ihrer Krankenkasse finanziert?

 

- Ihre Psychotherapeutin sollte eine Kassenzulassung haben.

- Die Psychotherapie sollte indiziert sein. Das heißt, bei Ihnen liegt eine krankheitswertige psychische Problematik vor.

- Diese wurde festgestellt von Ihrem Hausarzt, Ihrem Neurologen oder Ihrer Psychotherapeutin, zu der Sie auch zuerst gehen können, wenn Sie selbst eine psychische Erkrankung bei sich vermuten.

- Ist Ihre Psychotherapeutin eine Psychologische Psychotherapeutin (also keine Ärztin), muss ein Arzt/eine Ärztin einen Konsiliarbericht schreiben.

- Die Psychotherapie muss bei Ihrer Krankenkasse beantragt werden.

Alle diese Punkte können Sie in Ruhe in einem Erstgespräch mit Ihrer Psychotherapeutin besprechen.

 

  • Wie komme ich an einen (kassenzugelassenen) Psychotherapeuten?

 

Sie können direkt Kontakt zu einer Psychotherapeutin aufnehmen. Listen von kassenzugelassenen Therapeuten erhalten Sie bei der Kassenärztlichen Vereinigung und bei den Krankenkassen. Sie können auch über die Gelben Seiten oder im Internet suchen. Fragen Sie dann danach, ob der Therapeut eine Kassenzulassung besitzt. Manchmal gibt es auch persönliche Empfehlungen oder Ihr Arzt empfiehlt Ihnen jemand. Machen Sie sich auf jeden Fall ein persönliches Bild von der Therapeutin bzw. bilden Sie sich Ihre eigene Meinung!

 

  • Was passiert in der sogenannten probatorischen Phase einer Psychotherapie?

 

Bevor der Antrag auf Bewilligung der Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse gestellt wird, haben Sie und ihre Psychotherapeutin im Rahmen fünf sogenannter probatorischer Sitzungen die Möglichkeit, z.B. folgende Punkte zu klären:

Kommen Sie mit der Therapeutin klar? Fühlen Sie sich verstanden? Haben Sie das Gefühl, mit ihr Ihre Probleme bearbeiten zu können? Auch die Therapeutin klärt einige Fragen: Kommt sie mit dem Patienten klar? Liegt eine krankheitswertige Problematik vor? Ist Motivation bei der Patientin vorhanden? Ist die Therapierichtung, für die sie eine Kassenzulassung hat, die für den Patienten richtige? Ist (ambulante) Psychotherapie überhaupt das richtige? Ggf. gibt sie Empfehlungen für andere Behandlungen oder andere Behandler.

Als Patientin oder Patient haben Sie das Recht, sich mehrere Behandler „anzuschauen“. Die Krankenkasse sollte hierfür die Kosten übernehmen.

 

  • Welche unterschiedlichen Formen der Psychotherapie werden von den Kassen und Versicherungen finanziert?

 

Psychoanalyse, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Verhaltenstherapie.

  

  • Wie ist der (formale) Ablauf einer Psychotherapie?

 

Nach der probatorischen Phase (s.o.) wird ein Antrag bei Ihrer Krankenkasse gestellt. Mit Ihrer Therapeutin haben Sie zuvor besprochen, ob eine Kurzzeittherapie (das sind bei tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie max. 2 x 12 Sitzungen) oder eine Langzeittherapie (das sind im ersten Schritt 60 Sitzungen) beantragt werden. Nach Bewilligung wird in der Regel eine Sitzung von 50 Minuten in der Woche durchgeführt. Das kann individuell oder im Laufe einer Therapie variieren. Das Ende einer Psychotherapie wird mit Ihrer Psychotherapeutin besprochen.

Worum es zum Beispiel inhaltlich in einer Therapie gehen könnte und was dabei in einer Therapie wichtig werden kann, können sie unter dem Punkt „Therapiebeispiel“  nachlesen.

 

  • Welche Krankheitsbilder können mit Psychotherapie gut behandelt werden?

 

Z.B. Depressionen,  Angststörungen und Phobien, Essstörungen, psychosomatische Störungen, Anpassungsstörungen, Persönlichkeitsstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen. Ein Gespräch mit Ihrem Hausarzt, einem Facharzt oder direkt mit einem Psychotherapeuten kann Ihnen helfen zu klären, ob Ihre Symptomatik psychotherapeutisch behandelbar ist.

 

  • Wer ist für eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie geeignet?

 

Die Therapeutin wird Ihnen in der Regel keine Handlungsanweisungen geben, die sie dann nur zu befolgen hätten damit es ihnen besser geht. Sie sollten sich stattdessen mit den Hintergründen Ihrer Problematik befassen wollen. Es sollte die Bereitschaft vorhanden sein, sich mit inneren Zuständen und Prozessen, Gefühlen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Eine ausreichende Motivation sollte vorhanden sein. Auch sollte ein gewisser Leidensdruck vorhanden sein, d.h. es sollte eine innere Notwendigkeit zu spüren sein, dass Veränderung notwendig ist. In einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie wird die aktuelle psychische Problematik vor dem Hintergrund der Biografie betrachtet und verstanden. Dafür sollte die Bereitschaft bei Ihnen vorhanden sein. Dann sollten Sie schlicht die Zeit haben, die Termine wahrzunehmen und sich mit den Inhalten auch in der Zwischenzeit auseinanderzusetzen. Manchmal werden in der Therapie auch Übungen gemacht (z.B. Imaginationsübungen) die dann auch zuhause weiter geübt werden sollten.

 

  • Kann ich auch unabhängig von der Kassenfinanzierung eine Psychotherapie durchführen oder klärende Gespräche bekommen?

 

Nicht alle Probleme und Konflikte sind krankheitswertig und führen zu einer Krankheitsdiagnose. Trotzdem kann es in manchen Lebensphasen bedeutsam sein, diese Fragen, Konflikte oder Probleme mit jemandem zu besprechen und zu bearbeiten, der die nötige Qualifikation besitzt. Nicht jedes Problem erfordert eine Psychotherapie. Manchmal reichen schon einige wenige Gespräche, um wieder klarer zu sehen, sich seiner persönlichen Ressourcen (wieder) bewusst zu werden und diese zu aktivieren. In diesen Fällen nehmen Sie direkt Kontakt zu einer Therapeutin auf, vereinbaren einen Gesprächstermin und klären die Honorarfrage.

 

  • Wann wird eine Psychotherapie beendet?

 

In der Regel ist es so, dass nach Verbesserung der Symptomatik die Psychotherapie allmählich beendet werden kann. Die Sitzungen werden oftmals dann in größeren Abständen durchgeführt um die Stabilität der Verbesserung zu überprüfen. Therapeut und Patient besprechen das Ende der Therapie gemeinsam. 

Die Dauer der Therapie ist leider auch manchmal dadurch begrenzt, dass von der Krankenkasse nur eine maximale Anzahl von Sitzungen genehmigt wird.